Neue Kreativitätstheorien seit den 90er Jahren und der methodische Austausch zwischen Wissenschaft und Kunst haben zur Generierung neuer Impulse beigetragen. Sowohl die Bedeutung der Digitalisierung für den Austausch der Künstler weltweit als auch die Gegenbewegungen zur rein digitalen Vernetzung (Stichwort mobile Architekturen und Begegnungsräume in der Stadt gegen Einsamkeit ) – all dies fließt in die Funktion und Motivation mit ein, wenn Labs ins Leben gerufen werden. Dabei zeichnen sich solche Labore teils durch starken Praxischarakter (z.B. Ausprobieren und Verwendung neuer nachhaltiger Stoffe und Verfahren in der Kunst), teils eher als „Denkfabrik“ aus (zumal angesichts der vielen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit).
Es gibt große, institutionalisierte Labs z.B. an Kunsthochschulen oder Museen, aber auch ganz kleine Räume z.B. innerhalb von Ateliergemeinschaften oder in städtischen Räumen für Jugendliche, in denen das gemeinschaftliche Denken und handwerkliche Arbeiten an einem oder mehreren Themen praktiziert wird.
Begriffe wieLabor und
Fabrik bezeugen , dass man z.B. Praxis und Theorie/Diskurs, Technik und Spiel, Kunst und Alltagskultur eng zusammenführen möchte.
Kennzeichnend ist ein offenes Konzept, das sich häufig auch in entsprechenden Ausstellungen (z.B. Partizipation des Publikums) wiederfindet.
Zu diesem offenen Konzept gehört, dass unterschiedliche Kompetenzen einfließen können. Die Unterscheidung Künstler/Nicht-Künstler und Kunst/Nichtkunst ist weniger festgeschrieben bzw. relevant. Kunst wird als Kulturwerkzeug verstanden.
Es geht darum, langfristigeren Prozessen und Projekten Raum zu geben.
Die Kunst selbst tritt dabei eher als "Forschung" in Erscheinung - wobei Künstler eben anders forschen als Wissenschaftler.
