Stulle plus X am 10.9.26
Natur als Bühne, Projektion und Abbild
offene Gesprächsrunde mit einfachem Abendessen, zu der jeder Bildmaterial und Knabbereien beitragen kann.
(Freier Eintritt und immer ohne Anmeldung.)
Bei der vergangenen“ Stulle“ haben wir uns zu Lauch-Suppe, Vanilleeis und roter Grütze über Natur-Darstellungen in der Malerei ausgetauscht.
Bühnenartige Landschaftsbilder, wie etwa die aus Versatzstücken zu einer edlen und stimmungsvollen Kulisse nach bestimmten Regeln zusammengesetzte Ideallandschaft im 17. Jhd., hat es schon immer gegeben. Aber was taugt der Begriff “Bühne“ für die Annäherung an die komplexe Eigenwilligkeit der zeitgenössischen Malerei?
Eine interessante Feststellung war, dass der Begriff in zwei Richtungen funktioniert: Die Natur kann entweder als naturähnlicher Umraum oder tatsächlicher Raum (z.B. Waldlichtung) als Bühne für ein Geschehen fungieren, das häufig auch an jedem anderen Ort stattfinden könnte.
Andererseits kann aber der Natur selbst eine Art Bühne bereitet werden - was bedeutet, dass Kontexte und malerische Mittel die Natur als Raum, als künstlich geschaffene Natur oder “natürliche“ Natur inmitten zeitgenössischer “Künstlichkeit“ herausheben und somit ein spezifischer Blick auf die Natur und unser Verhältnis zu ihr direkt oder indirekt vermittelt wird.
Häufig sind es aber gerade narrativ offene Konzepte (die auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier einbeziehen), mit denen die Künstler operieren und in denen an natürliche Gegenden erinnernde Räume und hybride Naturformen als ebenfalls offene und geheimnisvolle Welt- oder Bewusstseinslandschaft präsent sind.
Als besonders schwierig und zugleich aber auch sehr fruchtbar in der Diskussion erwies sich die dritte Kategorie von Bildern:
Zwischen Abbild und Projektion existiert eine unendliche Menge gradueller Differenzierungen: Farben/Farbauftrag, Texturen, Wahl des Bildausschnitts usw. können aus Momentaufnahmen zeitlose Natur-Erfahrungen machen bzw. als reine Stimmung über das Motiv hinausweisen. Unterschiedlichste kollektive Erinnerungen und emotionale Zugänge wurden in der Landschaftsmalerei stets geweckt - je nach Botanik/Morphologie einer Landschaft (karge Felsen, exotische Pflanzen oder heimischer Wald, Jahreszeit, Tageszeit, Wetter) .
Insofern sind wir uns schnell darüber einig geworden, dass wir jeden der ausgewählten Künstler für sich betrachten und dabei das jeweils Einzigartige herausheben würden; Kategorien und Schlagworte konnten hierbei nur als Hilfestellung dienen.
